„Es kam aus dem Nichts“, sagt Clara Mohtar. Sie denkt mit Schrecken an die Nacht von 3. auf 4. März 2026. Die Lage im Iran hatte sich in den vorangegangenen Tagen dramatisch entwickelt, doch im Libanon herrschte vergleichsweise Ruhe. „Und dann kamen die Bombenangriffe, vor allem im Süden des Landes und in den südlichen Vororten der Hauptstadt Beirut. Die Menschen hatten geschlafen und wussten nicht, was da los war. Es hatte keinerlei Warnungen gegeben. Sie flüchteten in Panik aus ihren Häusern. Es war eine furchtbare Nacht.“
Von den Entwicklungen überrollt
Die 28-jährige Libanesin arbeitet seit 2022 für das Österreichische Rote Kreuz. Sie hat in Beirut Bau- und Umweltingenieurwesen studiert und zusätzlich eine mehrjährige Ausbildung mit Fokus auf Trinkwasserinfrastruktur absolviert. Normalerweise konzentriert sich Clara Mohtar als „Senior Regional WASH Officer“ vor allem auf ihre Aufgaben im Bereich Trinkwasseraufbereitung. „Ja, richtig: normalerweise! Aber die Prioritäten haben sich verschoben. Alle Projekte, an denen wir teilweise seit ein, zwei Jahren arbeiten, stehen derzeit still. Wir fokussieren uns jetzt nur noch auf Nothilfe und Sofortmaßnahmen.“
Zurzeit, sagt Clara Mohtar, gibt es im Libanon keinen geregelten Tagesablauf: „Wir haben keine Ahnung, was als nächstes passiert. Die Entwicklungen der vergangenen Tage haben uns völlig überrollt. Es gibt so viel zu tun. Wir wissen kaum noch, worauf wir uns konzentrieren sollen. Der Bedarf an Hilfe ist enorm. Aber auch wir, die wir Hilfe leisten, sind schon so unglaublich erschöpft. Wir sind alle unglaublich müde – körperlich, wie auch mental.“