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Zum Internationalen Weltfrauentag: Zwischen Diskriminierung und unerschütterlichem Einsatz

Weltweit sind 670 Millionen Frauen in Konfliktregionen von Gewalt betroffen, gleichzeitig sind humanitäre Mitarbeiterinnen weltweit in Krisengebieten unermüdlich für Menschen in Not im Einsatz.

Martina Schloffer, Internationale Zusammenarbeit, Rotes Kreuz
Martina Schloffer, Bereichsleiterin Internationale Zusammenarbeit, Österreichisches Rotes Kreuz

Der Internationale Frauentag am 8. März macht weltweit auf Gewalt gegen Frauen, bestehende Ungleichheiten und Diskriminierung, strukturelle Herausforderungen aber auch auf ihr Engagement und auf ihre außerordentlichen Leistungen aufmerksam.
In Zeiten von zunehmenden – oft bewaffneten – Konflikten, wird auch die Situation für Frauen, die in oder in der Nähe der Konfliktgebiete leben, immer gefährlicher. So wie aktuell im Nahen Osten, wo sich die Situation tagtäglich zuspitzt und das Leben von Zivilist:innen gefährdet. Insgesamt sind weltweit über 670 Millionen Frauen betroffen.

Auch im Sudan, wo Zivilistinnen vergewaltigt, verschleppt und getötet werden. Denn gezielte Gewalt gegen Frauen, insbesondere sexualisierte Gewalt, wird gezielt als Mittel der Kriegsführung eingesetzt.

Martina Schloffer, Bereichsleiterin Internationale Zusammenarbeit beim Österreichischen Roten Kreuz (ÖRK): „Am heurigen Internationalen Frauentag denken wir an alle Frauen und Mädchen in Konfliktgebieten und fordern die internationale Staatengemeinschaft sowie Konfliktparteien weltweit auf, sie zu schützen! Nach dem Humanitären Völkerrecht dürfen Zivilistinnen und Zivilisten nicht angegriffen werden, jegliche Formen sexualisierter Gewalt sind verboten.“ 

Helferin des Sudanesischen Roten Halbmonds im Sudan mit Kind auf dem Arm

Ukraine: Frauen versorgen Menschen nach Luftangriffen

Rotkreuzhelferinnen in einem Heatingpoint in Kiew
Heatingpoint in Kiew, Jänner 2026

Doch gleichzeitig sind Frauen in allen Konflikten unerschütterliche Helferinnen. Sie engagieren sich für Geflüchtete, leisten in ihren Gemeinden Sozialarbeit, sind im Rettungsdienst im Einsatz oder unterstützen andere Frauen beim Aufbau eigener Unternehmen.

In der Ukraine sind Frauen diejenigen, die den sozialen Besuchsdienst stemmen oder als Teil der Notfalleinsatz-Teams die Menschen nach Luftangriffen versorgen. Andere starten soziale Unternehmen, um selbst im aktiven bewaffneten Konflikt Arbeitsplätze zu schaffen. Das Österreichische Rote Kreuz fördert in der Ukraine, aber auch im Nahen Osten oder in Ostafrika Projekte zur Geschlechtergleichstellung und damit gleichberechtigte Teilhabe, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.

Zwei Rotkreuzhelferinnen mit zwei Frauen vor einem Haus in Syrien

Syrien: Aufbau einer eigenen Existenz

Die Österreicherin Marianne Pecnik ist erfahrene Katastrophenhelferin beim Roten Kreuz und seit Oktober 2025 im krisengebeutelten Syrien im Einsatz. Gemeinsam mit dem Syrisch-Arabischen Roten Halbmond verteilt sie Bargeldhilfen oder unterstützt beim Aufbau von Kleinunternehmen.
Bewegt von den einzelnen Geschichten vieler Frauen berichtet sie uns: „Viele Frauen können sich damit eine eigene Existenz aufbauen und unabhängiges Einkommen schaffen. Mit finanzieller Unterstützung des Roten Kreuzes konnte eine junge Frau in Homs ihr Nähatelier nach dem schweren Erdbeben im Februar 2023 neu aufbauen. In Latakia hat die 55-jährige Ilham mithilfe eines Zuschusses einen landwirtschaftlichen Betrieb zum Pilzanbau gestartet. Heute vertreibt sie ihre Pilze in der gesamten Provinz, Lieferverträge mit lokalen Restaurants sichern ihr regelmäßiges Einkommen."

Afghanistan: Frauen geben handwerkliches und wirtschaftliches Wissen weiter

Rotkreuzhelferin in Uniform in Afganistan sitzt Frau gegenüber
Afghanistan, September 2025: Nach dem Erdbeben in der Provinz Kunar mobilisierte der Afghanische Rote Halbmond seine freiwilligen Helferinnen für gemeindebasierte Gesundheits- und Erste-Hilfe-Programme, um die betroffenen Familien zu unterstützen. Im Bild: Sharifa, die in die Provinz gesandt wurde, um psychologische Erste Hilfe zu leisten und Hygienemaßnahmen zu fördern. „Als ich die Häuser betrat, sahen mich die Frauen nicht als Fremde, sondern als eine der Ihren“, erzählt Sharifa. Diese Erfahrung unterstreicht die Stärke lokal getragener humanitärer Hilfe, insbesondere von Frauen.

In Afghanistan fördert das ÖRK seit 2022 Ausbildungsprogramme für Frauen, in Partnerschaft mit dem Dänischen Roten Kreuz und finanziert mit Mitteln der Austrian Development Agency (ADA).

In sechsmonatigen Kursen und Workshops bekommen Frauen nicht nur eine grundlegende handwerkliche Ausbildung in unterschiedlichen Berufen, sondern auch das notwendige wirtschaftliche Rüstzeug. So können sie einen eigenen Kleinbetrieb aufbauen und damit sich und ihre Familie ernähren. Angeboten werden die Ausbildungen in Einrichtungen für Menschen, die von besonders großer Armut betroffen sind. 95 Prozent der Menschen in diesen Einrichtungen sind Frauen. Unterrichtet werden sie von freiwilligen Helferinnen des Afghanischen Roten Halbmondes. Mehr als 200 Frauen haben bisher eine Ausbildung erhalten, im Jahr 2026 sollen weitere 400 folgen. 

Subsahara-Afrika: Wasserprojekte stärken Frauenrechte

Rotkreuzhelferin in Uganda übergibt Benefizientin ein Menstrual Hygiene Kit
Michaela Pichler vom Österreichischen Roten Kreuz
Michaela Pichler, Leiterin der Ostafrika-Programme beim Österreichischen Roten Kreuz

Seit 2023 stärkt das ÖRK im Rahmen des ADA-finanzierten Programms „Skybird II“ die Rechte von Frauen und Mädchen in Äthiopien, Ruanda und Uganda. Die Menschen kämpfen weiterhin um Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen – und die Verantwortung für die – oft gefährliche - Wasserbeschaffung lastet meist auf den Frauen und Mädchen. Daher werden Frauen besonders in die Wasser- und Sanitärprojekte eingebunden, in Führungsrollen eingesetzt und einkommensschaffende Projekte gefördert. Mitarbeiter:innen des Roten Kreuzes klären auf Gemeindeebene über geschlechtsbasierte Gewalt, Frühverheiratung und weibliche Genitalverstümmelung auf.
„Ohne die Stärkung von Frauen und Mädchen kann nachhaltige Entwicklung nicht gelingen“, erklärt Michaela Pichler, Leiterin der Ostafrika-Programme beim ÖRK.

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06.03.2026

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