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Erfolgreiche Zusammenarbeit dank Telenotarztsystem

Perfekte Rettungskette rettet Menschenleben

Gruppenfoto aller beteiligter Personen der Rettungskette
(v.l.n.r.): Landesgeschäftsleiter Thomas Wallner, Rotes Kreuz Burgenland, Chefarzt und Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Dr. Berndt Schreiner, Rotes Kreuz Niederösterreich, Flugretter Thomas Wagner, ÖAMTC-Flugrettung, Günter Schinkovits, Notfallsanitäter Florian Dorner, Notfallsanitäterin Nina Sommer, First Responder Martin Heinisch und Leiter Rettungsdienst Stv. Christoph Frimmel, Rotes Kreuz Burgenland

Der 30. Oktober war für den Siegendorfer Günter Schinkovits definitiv kein Tag wieder jeder andere. Dank einer perfekt funktionierenden Rettungskette inklusive des Einsatzes des Telenotarztes des Roten Kreuzes geht es dem 60-Jährigen heute wieder gut. „Ich bin sehr dankbar, dass das alles so reibungslos geklappt hat“, sagt Schinkovits, der nun das Rote Kreuz in Eisenstadt besuchte, um sich persönlich zu bedanken.

Nach einer bereits überstandenen Grippe wollte Günter Schinkovits eigentlich nur einkaufen gehen und danach wieder nach Hause – nach und nach stellten sich aber unterschiedliche Symptome wie Rückenschmerzen, Übelkeit und Schweißausbrüche ein, die ihm und Gattin Andrea dann doch massiv zu denken gaben. „Ich bin selbst seit 30 Jahren Ersthelfer im Unternehmen und habe 2025 einen Auffrischungskurs beim Roten Kreuz gemacht“, erinnert sich Schinkovits. „Dabei haben wir auch die App 144 (Rettung) kennengelernt – und diese gleich auf den Handys installiert. Nachdem es gegen Abend immer schlechter ging, hat meine Frau über die App den Notruf abgesetzt. Bereits hier wurde sie toll unterstützt und sie auch informiert, was zu tun ist. Und dann ging alles sehr schnell.“ Nach wenigen Minuten traf der First Responder Martin Heinisch ein, der mit der Untersuchung begann. Kurz darauf traf das Rettungsteam des Roten Kreuzes Burgenland – Notfallsanitäterin NKV Nina Sommer und Florian Dorner – ein. Zur Beurteilung des EKGs schaltete die Notfallsanitäterin dann sicherheitshalber Telenotarzt Dr. Benedikt Schrutka-Sattler zu. Für diesen war schnell klar, dass es sich um einen Herzinfarkt handeln muss.  

Die nächsten Schritte wurden eingeleitet. Um den Transport ins diensthabende, bundeslandübergreifende Herzkatheter-Zentrum in Wiener Neustadt möglichst rasch durchführen zu können, wurde umgehend der in Frauenkirchen stationierte Notarzthubschrauber Christophorus 18 der ÖAMTC-Flugrettung alarmiert. Durch die Exekutive wurde sogar der Fußballplatz gesperrt, um die Landung zu ermöglichen. „Ich wurde dann mit dem Rettungswagen zum Hubschrauber gebracht und auf schnellstem Wege in die Klinik in Wr. Neustadt geflogen, wo ich bereits erwartet wurde. Das Team vom Roten Kreuz Burgenland fuhr zu meiner Frau Andrea zurück und ist mit ihr die nächsten Schritte durchgegangen. Insgesamt muss ich einfach sagen: jeder und jede Einzelne war hoch professionell, ruhig und kompetent – gleichzeitig aber auch empathisch. Mir und auch Andrea wurde durch diese nicht nur medizinische, sondern auch psychologische Unterstützung die Angst genommen, was denn jetzt passiert.“

Dieser Einsatz zeigt, wie moderne Notfallmedizin die Versorgung und Sicherheit der Bevölkerung stärkt. Seit Juni 2025 ist der Telenotarzt des Roten Kreuzes NÖ auch im Burgenland im Einsatz und kann somit von den Rettungsteams vor Ort jederzeit digital in Echtzeit zugeschalten werden – mit Bild, Ton und medizinischen Daten wie etwa dem EKG. „Wir haben uns entschieden, das System aus NÖ auch bei uns zu implementieren – und am Beispiel von Herrn Schinkovits zeigt sich, wie wertvoll diese Ergänzung des Rettungssystems ist“, betont Prim. Dr. Reinhold RENNER, Landeschefarzt Rotes Kreuz Burgenland.

Initiiert wurde das Telenotarztystem vom Roten Kreuz Niederösterreich. „Wir sind mit dem Telenotarzt mittlerweile in NÖ, dem Burgenland, Oberösterreich, Salzburg, Kärnten und Vorarlberg erfolgreich im Einsatz und haben im Monat rund 300 Einsätze, die durch unsere Telenotärzt:innen bearbeitet werden“, sagt Initiator Dr. Berndt Schreiner, Chefarzt und Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Rotes Kreuz NÖ. „Der Patient wurde in jeder Hinsicht perfekt betreut, die Aufgabe des Telenotarztes Dr. Benedikt Schrutka-Sattler war es vor allem, bis zum Eintreffen des Notarzthubschraubers der ÖAMTC-Flugrettung gemeinsam mit dem Rettungsteam des Roten Kreuzes Burgenland eine optimale Betreuung sicherzustellen.“

Bereits nach wenigen Minuten traf Christophorus 18 am Notfallort ein. „Wir haben dann die weitere Versorgung übernommen und Günter Schinkovitz wurde in der Folge zunächst stabilisiert und für den Transport vorbereitet, um auch in der Luft seine Lebensfunktionen und Vitalparameter ständig überwachen zu können“, berichtet Flugretter Thomas Wagner. Auf Grund des kritischen Zustands erfolgte der Flug ins Landesklinikum Wiener Neustadt unter ständiger Reanimations- und Defibrillationsbereitschaft. „Bei diesem Einsatz hat sich auch gezeigt, dass unsere verlängerten Dienstzeiten während der Wintermonate ganz im Sinne der Patient:innen sind, denn so können wir auch nach Sonnenuntergang Leben retten“, erklärt Wagner.

Heute geht es Günter Schinkovits wieder den Umständen entsprechend gut. „Ich möchte mich bei dem gesamten Team bedanken – angefangen vom First Responder, der unglaublich schnell hier war, über die Mannschaft des Rettungsdienstes, den Telenotarzt und die Flugrettung. Erst wenn man selbst Hilfe braucht, sieht man, wie hoch engagiert und professionell hier gearbeitet wird – und wie wichtig den Teams gleichzeitig die menschliche Komponente ist“, meint Schinkovits. „Mit dem Telenotarzt konnte ich dann sogar selbst sprechen – dass hier zusätzlich über dieses innovative System Unterstützung gebracht wird, damit habe ich allerdings nicht gerechnet.“

 

Telenotarztsystem in der Praxis

 

Mit dem Telenotarzt-Projekt hat das Rote Kreuz Niederösterreich eine zusätzliche wichtige Säule der präklinischen Versorgung initialisiert. Nach der Projektphase ist das System seit September 2024 im Vollbetrieb und kommt mittlerweile in NÖ, im Burgenland, Kärnten, Vorarlberg, Oberösterreich und Salzburg zum Einsatz. Ziel ist es, dass das nichtärztliche Rettungsdienstpersonal am Einsatzort jederzeit in Echtzeit den Telenotarzt bzw. die Telenotärztin in den laufenden Versorgungsprozess der Patient:innen einbinden kann.

Hinzugezogen werden die Telenotärzt:innen vor allem dann, wenn es etwa um die Beratung und Unterstützung der Sanitäter:innen bei nicht kritischen Patient:innen geht. Aber auch, wenn sich der Zustand von Patient:innen plötzlich verschlechtert, kann dieses System das Intervall bis zum Eintreffen des nachgeforderten Notarztes bzw. der Notärztin verkürzen. Das Hauptgewicht bei den Einsätzen liegt aktuell in der EKG-Beurteilung, außerdem wurden bereits auch mehrere Einsätze durch Telenotärzt:innen betreut und begleitet, während ein:e Patient:in ins Krankenhaus gebracht wurde.

Wesentlicher Vorteil des Systems ist, dass die Telenotärzt:innen örtlich ungebunden sind – dank der verwendeten Technik ist es nicht notwendig, einen zentralen Arbeitsplatz einzurichten, die Diensthabenden können sich von jedem Ort mit einer guten Internetverbindung mit ihrem Laptop mit dem System verbinden und sofort online gehen, wenn Unterstützung angefragt wird. Jeder Telenotarzt und jede Telenotärztin kann sich damit in das System einloggen, wo er oder sie sich gerade befindet.

Das Rote Kreuz Niederösterreich arbeitet mit dem System corpuls.mission, das einen sehr einfachen Zugang sowohl für die Sanitäter:innen als auch für die Ärzt:innen bietet. Die Sanitäter:innen können sich vor Ort mit dem Smartphone oder Tablet mit den Telenotärzt:innen verbinden und entweder Browser-basiert oder via App kommunizieren und die notwendigen Daten übermitteln. Bei der Software handelt es sich um ein zertifiziertes Medizinprodukt, das zudem auch die notwendigen Voraussetzungen für den notwendigen Datenschutz schafft.

Tulln, 19. Jänner 2026

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Zenker und Co - Pressesprecher_innen vom Roten Kreuz Niederösterreich

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