Gemeinsam gegen Lebensmittelverschwendung – für mehr soziale Gerechtigkeit
Die ARGE Soziale Lebensmittelgrundversorgung Niederösterreich macht gemeinsam auf ein drängendes gesellschaftliches Thema aufmerksam: Lebensmittelverschwendung und ihre sozialen sowie ökologischen Auswirkungen.
Jährlich werden in Österreich große Mengen an genusstauglichen Lebensmitteln entsorgt – während gleichzeitig viele Menschen auf Unterstützung angewiesen sind: 1,68 Millionen Menschen sind in Österreich armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, 261.000 leben in absoluter Armut. Auch in Niederösterreich können sich viele Menschen das Nötigste zum Leben kaum leisten. Von den in Niederösterreich lebenden rund 1,7 Millionen Menschen sind 13 Prozent armuts- oder ausgrenzungsgefährdet: Lebensmitteleinkäufe sind für sie eine Herausforderung, Restaurantbesuche unerschwinglich. Besonders betroffen sind ältere Menschen, alleinerziehende Frauen sowie Familien mit mehr als drei Kindern.
Als starkes Netzwerk aus humanitären Organisationen und Sozialmärkten setzt die ARGE Soziale Lebensmittelgrundversorgung Niederösterreich genau hier an: „Wir retten überschüssige, qualitativ einwandfreie Lebensmittel und geben sie an Menschen in schwierigen Lebenssituationen weiter“, sind die Initiator:innen überzeugt. Der Bedarf ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, das zeigen auch die Zahlen der beteiligten Organisationen
„Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit 2020 hat sich die Zahl der Haushalte, die unsere 35 Ausgabestellen der Team Österreich Tafel und den drei Sozialläden in Anspruch nehmen, nahezu verdoppelt, heute versorgen wir wöchentlich mehr als 20.700 Menschen in Niederösterreich. Das zeigt, wie groß der Bedarf in unserer Gesellschaft geworden ist – und wie wichtig es ist, dass wir als verlässliches Netzwerk gemeinsam handeln. Jedes gerettete Kilogramm Lebensmittel bedeutet für eine Familie echte Entlastung“, betont Landesdirektor Hannes Buxbaum, Rotes Kreuz Niederösterreich.
„An unseren 16 Ausgabestellen in Wien erleben wir täglich, was soziale Lebensmittelversorgung wirklich bedeutet: Sie schafft Würde und Teilhabe. Fast 1.000 Tonnen Lebensmittel, die wir jährlich ausgeben, sind weit mehr als bloße Mengen – sie sind gelebte Solidarität für rund 11.000 Personen", sagt Lea Laubenthal, Caritas Wien.
„In nur fünf Jahren sind wir von einer auf sieben Sozialmärkte gewachsen – ein Wachstum, das die steigende Nachfrage widerspiegelt, aber auch unseren klaren Auftrag: Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden, werden zu echter Hilfe für Menschen in Not“, ergänzt Rudolf Dörr-Kaltenberger, Caritas St. Pölten.
„Auch unsere Zahlen zeigen deutlich: Die Armut in Niederösterreich wächst. Die Zahl der Menschen, die unsere Sozialmärkte nutzen, ist seit 2020 um fast 60 Prozent gestiegen. Umso wichtiger ist es, dass wir als ARGE gemeinsam Verantwortung übernehmen – für eine Gesellschaft, in der niemand hungern muss, weil Lebensmittel achtlos weggeworfen werden“, betont Ruth Sacher, Volkshilfe NÖ.
„Mit 22 Standorten und mehr als 322.000 Einkäufen im Jahr 2025 zeigen wir, dass das Sozialmarkt-Modell funktioniert – für Mensch und Umwelt. Wenn wir 2,4 Millionen Kilogramm Lebensmittel retten, dann schützen wir gleichzeitig wertvolle Ressourcen und helfen Menschen, ihren Alltag zu gestalten. Dieses doppelte Ja – zu Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit – ist unser Antrieb“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Brillmann, soogut.
Starkes Netzwerk – starke Wirkung
Die ARGE, der das Rote Kreuz Niederösterreich, die Caritas Wien, die Caritas St. Pölten, die soogut Sozialmärkte und die Volkshilfe NÖ angehören, steht für Solidarität, Verlässlichkeit und Zusammenarbeit. Durch die enge Kooperation mit regionalen Partnerbetrieben, freiwilligen Helfer:innen und Unterstützer:innen gelingt es, funktionierende Kreisläufe zu schaffen und Lebensmittel dort einzusetzen, wo sie gebraucht werden.
Lebensmittelrettung bedeutet dabei weit mehr als Nachhaltigkeit. Sie bedeutet konkrete Hilfe für Familien, Alleinerziehende, ältere Menschen, Mindestpensionist:innen und all jene, deren finanzieller Spielraum immer enger wird. Mit vereinten Kräften sammeln unsere freiwilligen Mitarbeiter:innen Lebensmittel aus Handel, Landwirtschaft und Produktion, prüfen diese sorgfältig und sorgen für eine gerechte Weitergabe.
So werden ökologische Verantwortung und soziales Engagement verknüpft– und gleichzeitig ein aktiven Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Denn jedes gerettete Lebensmittel spart wertvolle Ressourcen wie Wasser, Energie und landwirtschaftliche Flächen.
Der Appell der ARGE Soziale Lebensmittelgrundversorgung NÖ
„Wir rufen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dazu auf, bestehende Initiativen – wie uns, die Mitglieder der ARGE Soziale Lebensmittelgrundversorgung – zu stärken und Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln zu schaffen“, betonen die Initiator:innen. „Jede und jeder kann einen Beitrag leisten – durch bewusstes Einkaufen, richtige Lagerung, Wertschätzung und verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln im eigenen Haushalt. Gemeinsam retten wir Lebensmittel. Gemeinsam helfen wir Menschen. Gemeinsam übernehmen wir Verantwortung.“
Gemeinsam stark für Menschlichkeit und Zukunft: Die ARGE-Partner stellen sich vor: Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) vereint fünf engagierte Partnerorganisationen, die sich mit voller Kraft für eine gerechtere und nachhaltigere Gesellschaft einsetzen: die Caritas der Diözese St. Pölten, die Caritas der Erzdiözese Wien, das Rote Kreuz NÖ, soogut und die Volkshilfe NÖ. Dieses starke Bündnis steht gemeinsam gegen Lebensmittelverschwendung und engagieren sich aktiv für mehr Nachhaltigkeit, die Schaffung wichtiger Ausbildungs- und Arbeitsplätze sowie die Linderung von Armut.
Mit ihrem gebündelten Fachwissen und ihrer tiefen Verankerung in der Gesellschaft setzen sie ein starkes Zeichen der Solidarität. Sie können diese wertvolle Arbeit direkt unterstützen: Entweder durch eine Spende oder indem Sie sich ehrenamtlich engagieren und Teil dieser wichtigen Bewegung werden.
Tulln, 10. Juli 2026

Pressestelle
Rotes Kreuz Niederösterreich