Notruf 144  |  Service-Hotline 0591440
Wir sind da Österreich
Das Logo des Roten Kreuzes Logo Slogan Aus Liebe zum Menschen unten

Rotes Kreuz Niederösterreich und Saubermacher: Pilotprojekt für textile Kreislaufwirtschaft gestartet

Verantwortliche des Roten Kreuzes sowie der Firma Saubermacher stehen vor einem Henry Laden
Gemeinsame Sache für die Weiterverwertung nicht verkaufter Second-Hand-Mode (v.l.n.r.): Landesdirektor Hannes Buxbaum, Rotes Kreuz Niederösterreich, CEO Andreas Opelt, Saubermacher, Astrid Kepplinger-Past, Rotes Kreuz Niederösterreich, Eva-Maria Wurzer, Business Development Textilien Saubermacher und Präsident Hans Ebner, Rotes Kreuz Niederösterreich

Was tun mit gespendeter Kleidung, die in Second-Hand-Shops keine Abnehmer:innen findet und auch anderweitig nicht wiederverwendet werden kann? Das Rote Kreuz Niederösterreich und das Entsorgungs- und Recyclingunternehmen Saubermacher gehen dieser Frage in einem gemeinsamen einjährigen Pilotprojekt nach. Saubermacher analysiert ausgewählte Textilien aus den 37 Henry Läden des Roten Kreuzes Niederösterreich hinsichtlich ihrer Materialzusammensetzung und prüft, welche Möglichkeiten zur stofflichen Verwertung bestehen.

Im Pilotprojekt geht es um Kleidungsstücke, die zwar den Qualitätsanforderungen der Henry Läden entsprechen, aber trotz mehrfacher Verkaufsversuche und verkaufsfördernder Maßnahmen wie etwa Preisreduktionen keine Abnehmer:innen finden. Erst wenn auch eine Weitergabe an lokale Sozialvereine oder eine Verwendung im Rahmen karitativer Hilfseinsätze, beispielsweise nach Hochwasserkatastrophen, nicht mehr möglich ist, werden die Textilien für das gemeinsame Pilotprojekt herangezogen. In der Testphase werden rund 20 Tonnen unverkaufte Alttextilien aus Niederösterreich herangezogen. Gemeinsam wollen das Rote Kreuz und Saubermacher geeignete stoffliche Verwertungswege für diese Textilien entwickeln.

„Als Rotes Kreuz NÖ helfen wir gebrauchten Gegenständen und Bekleidung zu einem zweiten Leben. Mit unseren 37 Henry Läden schonen wir wertvolle Ressourcen und schaffen gleichzeitig leistbare Mode für die Menschen in Niederösterreich. Mit dem Pilotprojekt gemeinsam mit Saubermacher gehen wir nun einen wichtigen Schritt weiter: Wir wollen herausfinden, wie auch jene Textilien, die selbst nach mehrfachen Verkaufsversuchen keine Abnehmer:innen mehr finden, künftig möglichst hochwertig im Kreislauf gehalten werden können“, betont Präsident Hans Ebner, Rotes Kreuz Niederösterreich.

„Kreislaufwirtschaft ist Teamplay und gelingt nur, wenn unterschiedliche Partner zusammenkommen“, sagt Andreas Opelt, CEO Saubermacher. „Das Rote Kreuz bringt jahrelange Erfahrung im Bereich Reuse mit, Saubermacher sein Know-how in Materialanalyse und Recycling. Im gemeinsamen Pilotprojekt wollen wir belastbare Daten gewinnen, welche Textilien sich für welchen Recyclingweg eignen und wo die technischen und wirtschaftlichen Grenzen liegen. Die gewonnen Erkenntnisse bringen uns der textilen Kreislaufwirtschaft wieder einen Schritt näher.“

„Die größte Herausforderung im Textilrecycling liegt in der Vielfalt der Materialien. Baumwolle, Polyester, Mischgewebe oder Fasern mit unterschiedlichen Qualitäten lassen sich nicht über einen einzigen Prozess verwerten“, meint Eva-Maria Wurzer, Business Development Textilien Saubermacher. „Mit dem Pilotprojekt schaffen wir eine belastbare Datengrundlage für diesen Textilstrom aus den Henry Läden. So können wir konkret einschätzen, welcher Anteil für Reuse, Closed-Loop- und für Open-Loop-Anwendungen geeignet ist.“                                                                                       

Vom Textilmix zum passenden Recycling

Reuse steht in der Abfallhierarchie im Sinne der Kreislaufwirtschaft an erster Stelle. Erst wenn alle Möglichkeiten zur Wiederverwendung ausgeschöpft sind, wird geprüft, welche Recyclingwege für den verbleibenden Textilmix infrage kommen – vom Einsatz in neuen Textilien bis zu Anwendungen außerhalb der Textilindustrie. Dafür analysiert Saubermacher nach eingänglicher Sortierung der Altkleidung zunächst die Zusammensetzung der Altkeidung und die enthaltenen Materialien. Anschließend wird geprüft, welche Fraktionen sich für ein Closed-Loop-Verfahren eignen. In solchen Verfahren werden Fasern aus Alttextilien so aufbereitet, dass sie erneut in textilen Anwendungen eingesetzt werden können. Nicht alle Textilien können jedoch zu neuem Garn verarbeitet werden. Dann kommen Open-Loop-Anwendungen infrage – etwa für Automobilzubehör, Dämmstoffe, Möbel oder Akustikpaneele. Nur wenn weder Wiederverwendung noch stoffliches Recycling – im Open- oder Closed-Loop-Verfahren – technisch oder wirtschaftlich sinnvoll möglich sind, erfolgt als letzte Stufe die thermische Verwertung.

Pilotprojekt liefert Daten für weitere Schritte

Das gemeinsame Vorhaben ist bewusst als 12-monatiges Pilotprojekt angelegt. Die untersuchten Materialzusammensetzungen und möglichen Recyclingwege werden dokumentiert, um belastbare Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Verwertungsmöglichkeiten für unterschiedliche Textilien aus den Henry Läden bestehen und wo technische oder wirtschaftliche Grenzen liegen. Für Kund:innen der Henry Läden sowie Spender:innen ändert sich durch das Pilotprojekt nichts: Der Wiederverkauf und damit die weitere Nutzung geeigneter Kleidungsstücke haben weiterhin Vorrang.

Die Henry Läden – Second-Hand mit Mehrwert

Seit der Eröffnung des ersten Standorts im Jahr 2013 in Baden hat sich das Netz der Henry Läden kontinuierlich erweitert: Mittlerweile sind es 37 Standorte in ganz Niederösterreich. Im Sortiment finden sich Damen-, Herren-, Kinder- und Jugendbekleidung ebenso wie Schuhe, Taschen und Accessoires, an manchen Standorten auch Geschirr und Möbel. Jede Spende und jeder Einkauf in einem Henry Laden hat dabei mehrfachen Nutzen: Textilien wird ein zweites Leben geschenkt, wertvolle Ressourcen werden geschont, und die Erlöse fließen in soziale Projekte der Gesundheits- und Sozialen Dienste der jeweiligen Rotkreuz-Bezirksstellen sowie in die Spontanhilfe.

Bei den Kleidungsstücken hat dabei stets der Wiederverkauf Priorität: Werden die Waren nicht gleich erfolgreich verkauft, wird zunächst versucht, den Textilien durch Preisreduktionen und weitere verkaufsfördernde Maßnahmen in den Henry Läden weitere Chancen zu geben. Findet sich dennoch keine Käuferin und kein Käufer, werden geeignete Stücke im Rahmen karitativer Hilfseinsätze – etwa bei Hochwasserkatastrophen – eingesetzt oder an lokale Sozialvereine weitergegeben. Erst wenn all diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kommen die Bekleidungsstücke für das Pilotprojekt mit Saubermacher infrage: Textilien, die zwar den Qualitätsanforderungen der Henry Läden entsprechen, aber dennoch keine Nachfrage mehr finden, werden dem Projektpartner unentgeltlich zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt.

Tulln, 8. September 2026

wir sind da
Zenker und Co - Pressesprecher_innen vom Roten Kreuz Niederösterreich

Pressestelle

Andreas Zenker, Sonja Kellner

Rotes Kreuz Niederösterreich

Franz-Zant-Allee 3-5
3430 Tulln/Donau

     

0664 2443242
0664 8499476
presse@n.roteskreuz.at