Ein nächtlicher Notruf im Stadtteil Lehen der Landeshauptstadt Salzburg entwickelte sich in der Nacht des 24. Februars für zwei Sanitäter:innen des Roten Kreuzes zu einem außergewöhnlichen Einsatz: Innerhalb weniger Minuten kam die kleine Emilia gesund im Wohnzimmer ihrer Eltern zur Welt – unterstützt von einem eingespielten Rettungsteam.
Gegen 3:00 Uhr früh erhielt Dennis (33) während seiner Nachtschicht den Anruf von seiner Freundin Melanie (34): Die Wehen hatten eingesetzt. Er machte sich sofort auf den Heimweg, duschte noch rasch und das Paar war zunächst überzeugt, genügend Zeit bis zur Fahrt ins Krankenhaus zu haben – schließlich handelte es sich um ihre erste Geburt. Doch die Situation entwickelte sich schneller als erwartet. Als die Fruchtblase platzte, setzte Dennis den Rettungsnotruf ab. Kurz darauf begannen bereits die Presswehen. „Ich wollte gerade noch einmal anrufen, weil es so schnell ging – aber da war die Rettung schon da“, schildert er.
Um 4:19 Uhr trafen die Rettungssanitäter:innen Alexander und Christina ein. Was zunächst wie ein routinemäßiger Transport wirkte, verwandelte sich binnen Augenblicken in eine Hausgeburt. „Als wir im Stiegenhaus ankamen und den schon nervösen Vater gesehen haben, war klar, dass es mit einem Transport ins Krankenhaus knapp werden könnte“, berichtet Alexander. Zwar hatten seine Kollegin Christina und er bei der Alarmierung nicht mit einer Geburt gerechnet, hatten aber dennoch die notwendige Ausrüstung bei sich.
„Ich kriege mein Kind jetzt“
Das Team wollte Melanie noch in einen Rollstuhl setzen, um sie in den Rettungswagen zu bringen. Doch sie entschied entschlossen: „Nein, ich kriege mein Kind jetzt.“ Sie setzte sich auf das Sofa – kurz darauf war bei der zweiten Presswehe bereits der Kopf des Babys sichtbar. Dennis hielt den Kopf seiner Tochter, während Alexander mit Unterstützung von Christina die Geburt leitete. Nur rund fünf Minuten nach Eintreffen des Rettungsteams erblickte Emilia um 4:24 Uhr das Licht der Welt.
„Als der Kopf zu sehen war, hat sie noch nicht geschrien. Bei der zweiten Presswehe kam dann ihr erster Schrei – das war eine riesige Erleichterung für uns“, erzählt Mama Melanie. Besonders bewegend sei der Moment gewesen, als ihre Tochter auf ihre Brust gelegt wurde: „Christina und Alex haben uns zur Familie gemacht.“
Teamarbeit und Ausbildung als Schlüssel
Für beide Sanitäter:innen war es die erste Geburt im Einsatz. „Anfangs war da natürlich Anspannung, weil es die erste Geburt war“, so Alexander. Erst wenige Wochen zuvor hatte er im Notfallsanitäter-Kurs das Thema Geburt intensiv behandelt. „Dieses Wissen hat mir große Sicherheit gegeben. Letztlich war es eine Geburt wie aus dem Lehrbuch – ganz komplikationsfrei. Ich habe einfach funktioniert.“ Christina hatte alles für die Geburt vorbereitet und unterstützte Alexander bei allen notwendigen Handgriffen. Die langjährige Zusammenarbeit und das eingespielte Verständnis füreinander erwiesen sich dabei als sehr positiv.
Auch für Christina war es eine außergewöhnliche Situation: „Bei der Alarmierung habe ich nicht mit einer Hausgeburt gerechnet. Während der Anfahrt bin ich mit Alex gedanklich noch alle Schritte durchgegangen.“ Als sie bemerkte, wie nervös die Eltern waren, konzentrierte sie sich auf das in der Ausbildung Gelernte. „Ich habe mich fokussiert und einfach gemacht, was notwendig war.“ Sie versorgte einfühlsam die Mutter und sprach beruhigend auf beide Eltern ein.
Ein besonders schöner Moment sei gewesen, als Alexander dem anfahrenden Notarzt über Funk die erfolgreiche Geburt meldete. „Die Eltern hatten Tränen des Glücks in den Augen, als sie ihr Kind gesehen und das erste Mal im Arm gehalten haben“, erzählte Christina. „Ich bin so stolz auf die beiden, sie haben das so großartig gemacht“, betonte Melanie rückblickend. „Sie haben das bravourös gemacht.“
Ein erfüllter Traum und glücklicher Start ins Familienleben
Für Dennis erfüllte sich durch die unerwartete Hausgeburt ein großer Wunsch: Er hatte immer davon geträumt, seine Tochter selbst zur Welt zu bringen. „Dass ich ihren Kopf halten durfte, war unbeschreiblich“, so der glückliche Vater.
Kurz nach der Geburt traf der Notarzt ein, führte alle notwendigen Untersuchungen durch und begleitete Mutter und Kind anschließend gemeinsam mit den Rotkreuzkräften ins Krankenhaus. Heute geht es Melanie und ihrer kleinen Emilia sehr gut. „Die Kleine ist putzmunter und macht uns einfach nur glücklich“, so die Eltern.
Für das Team des Roten Kreuzes Salzburg bleibt dieser Einsatz als besonders berührender Moment in Erinnerung. „Es war ein Privileg für mich, bei der Geburt dabei sein zu dürfen“, resümiert Christina.
Fotos (c) Rotes Kreuz Salzburg
Foto: Das Rettungsteam des Roten Kreuzes besuchte Emilia und ihre Familie. (v.l.) Rettungssanitäterin Christina, Papa Dennis mit Emilia, Mama Melanie, Rettungssanitäter Alexander.
Salzburg, am 16. März 2026
