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Allein leben – aber nicht einsam sein

Besuchsdienst des Roten Kreuzes Kärnten schenkt Nähe und Zeit

Immer mehr ältere Menschen in Kärnten leben allein. Die Kinder sind beruflich eingespannt, Freundeskreise werden kleiner, Mobilität nimmt ab. Was bleibt, ist oft ein Alltag mit wenig sozialen Kontakten. Einsamkeit im Alter ist längst kein Randthema mehr – sie betrifft viele Menschen mitten in unserer Gesellschaft. Genau hier setzt der Besuchsdienst des Roten Kreuzes Kärnten an. „Viele ältere Menschen sagen uns: Ich komme im Alltag gut zurecht, aber mir fehlt das Gespräch, das Lachen, der Austausch“, so Brigitte Pekastnig, 3. Vizepräsidentin und Referentin für Soziale Dienste. „Der Besuchsdienst schenkt genau das – echte Begegnung auf Augenhöhe. Das ist keine kleine Geste, sondern ein wesentlicher Beitrag zu Lebensqualität im Alter.“

Der Besuchsdienst richtet sich an Menschen, die selbstständig zu Hause leben, sich aber über regelmäßige Gesellschaft, Gespräche und gemeinsame Zeit freuen. Ehrenamtliche Mitarbeiter:innen besuchen ihre Klient:innen regelmäßig, hören zu, plaudern, spielen, singen oder unternehmen kleine Spaziergänge. Es geht nicht um Pflege oder Haushalt – sondern um Aufmerksamkeit, Nähe und das Gefühl, gesehen zu werden.

„Allein zu leben bedeutet nicht automatisch, einsam zu sein. Aber dafür braucht es soziale Kontakte und verlässliche Beziehungen“, betont Rotkreuz-Präsident Martin Pirz. „Der Besuchsdienst leistet hier einen enorm wichtigen Beitrag. Unsere Freiwilligen schenken Zeit – und dieses Zeitgeschenk wirkt oft weit über den Besuch hinaus.“

Zeit, die verbindet

Die Begegnungen im Besuchsdienst sind individuell und richten sich nach den Interessen der Klient:innen. Gemeinsames Erinnern, Gespräche über früher und heute, kleine Rituale oder wiederentdeckte Hobbys schaffen Vertrauen und Lebensfreude. Viele dieser Besuche entwickeln sich zu echten Herzensbeziehungen – getragen von Verlässlichkeit und gegenseitigem Respekt.

Eine dieser Begegnungen verbindet die 90-jährige Maria Rumpler mit einer Freiwilligen des Roten Kreuzes. Obwohl ihre Demenzerkrankung bereits weit fortgeschritten ist, freut sie sich jedes Mal auf die Besuche. Besonders gerne geht sie spazieren. Die Natur, die frische Luft und die Sonne im Gesicht schenken ihr sichtbare Freude. Begleitet wird sie von Hermine „Mimi“ Entner aus dem Bezirk Feldkirchen. Sie engagiert sich seit mehreren Jahren im Besuchsdienst und betreut regelmäßig mehrere Klientinnen und Klienten.

Diese persönlichen Begegnungen zeigen, wie viel Wirkung regelmäßige Besuche entfalten können. Studien belegen zudem, dass soziale Kontakte einen positiven Einfluss auf das psychische und körperliche Wohlbefinden haben.

Ehrenamt mit Sinn

Der Besuchsdienst wird ausschließlich von freiwilligen Mitarbeiter:innen getragen. Sie werden sorgfältig vorbereitet und erhalten eine kostenlose Ausbildung, laufende Begleitung sowie Versicherungsschutz während ihrer Tätigkeit. Der zeitliche Aufwand ist überschaubar – die Wirkung jedoch groß. „Ich wollte immer ehrenamtlich helfen – und im Besuchsdienst habe ich genau das gefunden“, erzählt Hermine Entner. „Viele meiner Klientinnen und Klienten leben mit einer Demenzerkrankung. Man braucht Geduld, Einfühlungsvermögen und vor allem Zeit. Aber ich bekomme so viel zurück – ein Lächeln, ein Händedruck, einen Moment der Freude. Das ist unbezahlbar. Ich sage immer: Man bekommt mehr zurück, als man gibt.“

Ein Angebot für ganz Kärnten

Der Besuchsdienst des Roten Kreuzes Kärnten steht älteren Menschen offen, die alleine leben und sich Gesellschaft wünschen – unabhängig von Herkunft oder Lebenssituation. Angehörige wissen ihre Liebsten in guten Händen und erleben oft eine spürbare Entlastung.

„Einsamkeit kann jede und jeden treffen. Umso wichtiger ist es, hinzuschauen und Angebote zu schaffen, die Nähe ermöglichen“, so Pirz abschließend.

Foto: (KK) Rotes Kreuz Kärnten

Besuchsdienstteam Feldkirchen: Unser Team aus Feldkirchen mit der 3. Vizepräsidentin Brigitte Pekastnig (ganz links), Präsident Pirz (ganz rechts) und Hermine Entner (3. von rechts in der hinteren Reihe – mit dunkler Brille)

Maria_Mimi: Hermine „Mimi“ Entner mit ihrer Klientin Maria

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