Präsident Dr. Martin Pirz wurde erneut an die Spitze des Roten Kreuzes Kärnten gewählt. In seiner Ansprache zog er Bilanz über ein Jahr im Dienst der Menschlichkeit – und forderte eine faire, nachhaltige und langfristige Finanzierung des Rettungsdienstes.
Im Rahmen der Generalversammlung 2026 des Roten Kreuzes Kärnten wurde Dr. Martin Pirz erneut als Präsident des Landesverbandes bestätigt. Er steht damit auch in den kommenden vier Jahren an der Spitze des Roten Kreuzes Kärnten.
Neben der Neuwahl des Präsidiums stand die Generalversammlung ganz im Zeichen der Leistungen des vergangenen Jahres – und einer deutlichen Warnung: Der Rettungsdienst in Kärnten müsse rasch, fair und langfristig abgesichert werden.
Alle zwei Minuten wird ein Mensch in Kärnten vom Roten Kreuz versorgt. Hinter dieser Zahl stehen Einsätze bei Notfällen, Krankentransporte, Hilfe in Krisensituationen, soziale Unterstützung, Pflege, Lebensmittelhilfe, Blutspendeaktionen, Erste-Hilfe-Ausbildungen und unzählige Stunden freiwilligen Engagements.
„Wer im Notfall 144 wählt, muss sich darauf verlassen können, dass Hilfe kommt. Tag und Nacht. Bei jedem Wetter. An jedem Wochenende und Feiertag“, betonte Pirz in seiner Ansprache. Dieses Versprechen halte das Rote Kreuz Kärnten seit Jahrzehnten ein. Damit das auch in Zukunft möglich ist, brauche es aber endlich eine verlässliche Finanzierung.
Ein starkes Netz für Kärnten
Das Rote Kreuz Kärnten ist eines der größten Gesundheits- und Hilfsnetzwerke des Landes. 3.164 freiwillige und 900 berufliche Mitarbeiter, Zivildiener und Menschen im Freiwilligen Sozialjahr leisten Tag für Tag Hilfe für die Kärntner Bevölkerung. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 2.031.988 Stunden geleistet.
Im Rettungsdienst wurden 240.590 Patient versorgt. Die Einsatzfahrzeuge legten dabei 10.251.636 Kilometer zurück. In der Rettungsleitstelle gingen 396.254 Anrufe ein. Die Krisenintervention betreute 2.538 Menschen in besonders belastenden Ausnahmesituationen.
Auch abseits des Rettungsdienstes ist das Rote Kreuz Kärnten täglich für die Menschen im Land da: 118.056 Personen wurden durch mobile Pflege und soziale Dienste betreut, 190.063 Mahlzeiten über Essen auf Rädern ausgegeben und 108.160 Menschen durch die Team Österreich Tafel unterstützt. 22.793 Menschen spendeten Blut und leisteten damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgung der Krankenhäuser. In der Aus- und Fortbildung wurden 356 neue Sanitäter ausgebildet, 13.182 Menschen besuchten Erste-Hilfe-Kurse.
„Diese Zahlen sind mehr als eine Bilanz. Sie zeigen, wie eng das Rote Kreuz mit dem Alltag der Menschen in Kärnten verbunden ist. Wir sind da, wenn Menschen krank, verletzt, einsam, hungrig oder in einer Krise sind. Wir sind da, wenn Hilfe gebraucht wird“, so Pirz.
Finanzierungslücke gefährdet Versorgungssicherheit
Trotz dieser Leistungen steht das Rote Kreuz Kärnten vor massiven finanziellen Herausforderungen. Präsident Pirz sprach in seiner Ansprache von einer Finanzierungslücke von rund zehn Millionen Euro im Jahr 2026. Seit 2022 summiere sich der Abgang auf mehr als 34 Millionen Euro.
„Zehn Millionen Euro sind kein Buchhaltungsproblem. Sie sind eine reale Gefahr für die Versorgung der Kärntner Bevölkerung“, warnte Pirz. Was abstrakt klinge, habe konkrete Folgen: Rettungsfahrzeuge, die ersetzt werden müssten, medizinische Geräte und Funktechnik, die in die Jahre kommen, notwendige Investitionen in Bezirks- und Ortsstellen, Ausbildungszentrum und Blutspendezentrale sowie Einschnitte in wichtigen Leistungsbereichen.
Bisher sei es gelungen, die finanziellen Lücken mit Rücklagen, Spenden und dem außerordentlichen Einsatz der Mitarbeiter abzufedern. Dauerhaft sei das aber nicht mehr möglich. „Jeder Euro, den wir bekommen und sparen, fließt zurück in die Menschlichkeit – in Infrastruktur, Fahrzeuge, soziale Dienste, Jugend, Ausbildung und die Bereitschaft, im entscheidenden Moment da zu sein. Aber diese Verluste können und wollen wir nicht länger stemmen“, stellte Pirz klar.
Rettungsdienst ist eine öffentliche Aufgabe
Der Rettungsdienst ist eine öffentliche Aufgabe. Die Verantwortung für eine ausreichende Finanzierung liegt daher nicht allein beim Roten Kreuz, sondern bei jenen Auftraggebern, für die diese Leistungen erbracht werden: Land Kärnten, Gemeinden, Städten und Sozialversicherung.
Aus Sicht des Roten Kreuzes Kärnten reichen die derzeitigen Mittel nicht aus, um den Rettungsdienst langfristig in der gewohnten Qualität abzusichern. Von den 16,6 Millionen Euro für die Rettungsdienste in Kärnten erhält das Rote Kreuz Kärnten laut Pirz 14,2 Millionen Euro. Gemeinsam mit den Einnahmen der ÖGK reiche diese Finanzierung rechnerisch nur bis Mitte Oktober. Die restlichen Wochen des Jahres würden derzeit über das Rote Kreuz, seine Mitarbeiter sowie Spender mitgetragen.
„Es kann nicht sein, dass Spendengelder dauerhaft Lücken füllen müssen, die aus einer nicht ausreichenden Finanzierung öffentlicher Aufgaben entstehen“, so Pirz.
Drei klare Forderungen
Das Rote Kreuz Kärnten fordert daher eine strukturelle und langfristige Lösung für die Finanzierung des Rettungsdienstes. Konkret richtet Präsident Pirz drei zentrale Forderungen an die Verantwortlichen:
Erstens müssen Land Kärnten, Gemeinden und Städte ihren Anteil an der Finanzierung der Rettungsdienste auf ein nachhaltiges Niveau heben. Dazu gehört aus Sicht des Roten Kreuzes auch eine Anpassung des Kärntner Rettungsdienstgesetzes.
Zweitens müssen Krankentransporte durch die Österreichische Gesundheitskasse kostendeckend vergütet werden. Wenn Versicherte etwa zur Dialyse, zu Therapien oder zwischen Krankenhäusern transportiert werden müssen, erbringt das Rote Kreuz diese Leistung zuverlässig und professionell. Die Kosten dafür müssen aber auch entsprechend abgegolten werden.
Drittens braucht es eine verlässliche, langfristige Finanzierungs- und Leistungsvereinbarung mit den Auftraggebern. „Wir brauchen Planungssicherheit – kein jährliches Betteln um Mittel“, so Pirz.
„Wir betteln nicht um ein Geschenk. Wir fordern, dass eine lebensrettende Pflichtaufgabe endlich fair finanziert wird“, machte Pirz deutlich.
Wertschätzung braucht Entscheidungen
In seiner Rede betonte Präsident Pirz, dass Wertschätzung für das Rote Kreuz nicht bei Dankesworten enden dürfe. Die Mitarbeiter würden täglich zeigen, was Verlässlichkeit bedeutet. Nun brauche es auch Verlässlichkeit vonseiten der politischen und institutionellen Verantwortungsträger.
„In Zeiten knapper Kassen müssen Gesundheit, Sicherheit und Bildung Vorrang haben. Alles andere kann warten“, sagte Pirz. Der Tag, an dem ein Rettungswagen länger braucht oder ein Krankentransport nicht mehr gefahren werden kann, weil Fahrzeuge, Personal oder Mittel fehlen, dürfe in Kärnten niemals eintreten.
Das Rote Kreuz Kärnten sei bereit, gemeinsam mit Land, Gemeinden, Städten, Sozialversicherung und weiteren Partnern tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Klar sei aber auch: Die Entwicklung müsse jetzt gestoppt werden.
Dank an das Rückgrat der Menschlichkeit
Trotz der ernsten finanziellen Lage stand die Generalversammlung auch im Zeichen des Dankes – und des Vertrauens. Mit seiner Wiederwahl wurde Präsident Dr. Martin Pirz für weitere vier Jahre an der Spitze des Roten Kreuzes Kärnten bestätigt. Er bedankte sich für das entgegengebrachte Vertrauen und würdigte zugleich den Einsatz aller freiwilligen und beruflichen Mitarbeiter, der Zivildiener, der Menschen im Freiwilligen Sozialjahr sowie der zahlreichen Unterstützer, Spender und Kooperationspartner.
„144 ist nicht nur eine Telefonnummer. 144 ist ein Versprechen, dass niemand im schlimmsten Moment allein gelassen wird“, so Pirz. Dieses Versprechen könne das Rote Kreuz nur halten, weil Menschen bereit seien, Verantwortung zu übernehmen – im Rettungsdienst, in der Pflege, in der Krisenintervention, bei der Team Österreich Tafel, in den Henry Läden, in der Jugendarbeit, in der Ausbildung und in vielen weiteren Bereichen.
Abschließend bedankte sich Pirz bei allen Mitarbeiter für ihr Engagement: „Ihr seid das Rückgrat der Menschlichkeit.“