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Wie viel Vertrauen verdient KI?

Eine tröstende Umarmung, eine warme Mahlzeit oder rasche Hilfe in einer Notsituation: Menschlichkeit zeigt sich auf viele Arten. Künstliche Intelligenz kann das OÖ. Rote Kreuz dabei unterstützen, Menschen besser zu helfen. Doch echtes Mitgefühl, Nähe und Vertrauen kann sie nicht ersetzen. Gerade wenn es um Menschenleben geht, muss die Verantwortung beim Menschen bleiben – davon ist KI-Experte Prof. Dr. Dr. René Riedl überzeugt.

KI-Experte Prof. Dr. Dr. René Riedl sprach über Chancen, Risiken und Vertrauen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz.
KI-Experte Prof. Dr. Dr. René Riedl sprach über Chancen, Risiken und Vertrauen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz.

1. Empathie, Vertrauen und persönliche Zuwendung sind zentrale Werte des OÖ. Roten Kreuzes. Was passiert mit unserer Gesellschaft, wenn Menschen zunehmend auf KI statt auf andere Menschen vertrauen?

Vertrauen ist eine wesentliche Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. KI kann Menschen unterstützen, Informationen bereitstellen und sogar Empathie simulieren. Aber simulierte Empathie ist nicht dasselbe wie menschliches Mitgefühl. Wenn Menschen zunehmend KI-Systemen vertrauen und dadurch zwischenmenschliche Beziehungen vernachlässigen, kann das langfristig den gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächen. Andererseits kann KI auch Freiräume schaffen, um mehr Zeit für persönliche Zuwendung zu gewinnen. Entscheidend ist daher, wie wir diese Technologie einsetzen. Wir sollten KI nicht grundsätzlich vertrauen oder misstrauen, sondern situationsabhängig entscheiden. Gerade in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft müssen wir darauf achten, dass technologische Effizienz nicht auf Kosten menschlicher Nähe geht.

 

2. Gerade im Gesundheits- und Rettungswesen kann eine falsche Entscheidung schwerwiegende Folgen haben. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen sinnvoller Unterstützung durch KI und einem Risiko für die Sicherheit von Menschen?

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob wir KI vertrauen können, sondern unter welchen Bedingungen Vertrauen gerechtfertigt ist. Gerade im Gesundheitswesen bietet KI enorme Chancen, z. B. bei der Früherkennung von Krankheiten oder der Optimierung von Rettungseinsätzen. Die Grenze ist dort erreicht, wo KI-Systeme Entscheidungen treffen, deren Risiken nicht ausreichend kontrollierbar sind. Je schwerwiegender die möglichen Folgen einer Fehlentscheidung, desto höher müssen die Anforderungen an Zuverlässigkeit, Transparenz und menschliche Kontrolle sein. Mein zentraler Grundsatz lautet daher: KI soll menschliche Fähigkeiten erweitern und Entscheidungen verbessern, aber nicht unkontrolliert Verantwortung für Menschenleben übernehmen.

 

3. Wie wird Künstliche Intelligenz die Arbeit in einer NPO verändern?

KI wird auch Non-Profit-Organisationen grundlegend verändern. Dabei unterscheide ich drei Entwicklungen: Erstens Substitution, also die Automatisierung bisher menschlich erledigter Aufgaben, beispielsweise in der Verwaltung. Zweitens Augmentation, also die Erweiterung menschlicher Fähigkeiten, z. B. durch KI-gestützte Entscheidungsunterstützung im Gesundheits- und Rettungswesen. Drittens Innovation, also die Entwicklung völlig neuer Leistungen, die ohne KI bislang nicht möglich waren. Gerade für NPOs eröffnet das große Chancen, knappe Ressourcen effizienter einzusetzen und die Qualität ihrer Leistungen zu verbessern. Entscheidend ist jedoch, dass Effizienzsteigerung kein Selbstzweck wird. KI sollte dazu beitragen, den gesellschaftlichen Auftrag einer Organisation besser zu erfüllen - und nicht ihre menschlichen Werte verdrängen.

Rund 200 Gäste beschäftigten sich bei „HENRI. Der Dialog.“ mit der Frage, wie viel Vertrauen Künstliche Intelligenz verdient.
Rund 200 Gäste beschäftigten sich bei „HENRI. Der Dialog.“ mit der Frage, wie viel Vertrauen Künstliche Intelligenz verdient.