Rund 40 Mal pro Jahr heben die Drohnen des OÖ. Roten Kreuzes bei Übungen und Sucheinsätzen ab. „Wie im Rettungsdienst weiß man auch bei der Drohnenstaffel nie, was einen am Einsatzort erwartet“, erzählt Harald Wagner. „Die Anspannung ist immer da: Finden wir die Person? Lebt sie? Ist sie unverletzt?“ Gerade in der kühleren Jahreszeit kann die Suche zum Wettlauf gegen die Zeit werden. Wer verletzt oder ungeschützt im Freien liegt, ist bei niedrigen Temperaturen besonders gefährdet.
Der 63-Jährige ist Drohnenpilot mit der höchsten Ausbildungsstufe, Fachberater und für die Technik im Drohnenfahrzeug verantwortlich. Ursprünglich wollte er vor seiner Pensionierung lediglich als Fahrer im Hausärztlichen Notdienst (HÄND) beim OÖ. Roten Kreuz aktiv werden. Doch es blieb nicht dabei: 2021 legte er die Prüfung zum Rettungssanitäter ab und schloss sich der neu aufgebauten Drohneneinheit an. „Niemand hat mir gesagt, dass das Rote Kreuz süchtig machen kann“, schmunzelt Wagner. „Menschen in Not zu helfen, erfüllt mich einfach.“
Suchhunde und Hightech: Hand in Hand im Einsatz
Ob orientierungslose Senioren, pilzesammelnde Ausflügler, vermisste Kinder oder Verunglückte im unwegsamen Gelände: Bei jedem Einsatz der Rotkreuz-Suchhundestaffel wird die Drohneneinheit automatisch mitalarmiert. Während Suchhunde und Suchteams am Boden bestimmte Bereiche absuchen, können Drohnen größere oder schwer zugängliche Flächen aus der Luft überblicken. Wärmebildkameras helfen den Einsatzkräften, auch bei völliger Dunkelheit Wärmequellen am Boden zu erkennen. Dichter Nebel und unübersichtliches Gelände bleiben jedoch Herausforderungen für die Suche aus der Luft.
An sechs Standorten in Oberösterreich stehen Drohnen für Such- und Katastropheneinsätze bereit. Insgesamt gehören 62 Personen zur Einheit, darunter 30 speziell ausgebildete Drohnenpiloten. Bei Alarmierungen arbeiten Pilot, Co-Pilot und weitere Einsatzkräfte eng zusammen. Je nach Einsatzbedingungen fliegen die Drohnen meist in 50 bis 80 Metern Höhe. Die eingesetzten Modelle sind auch für Regen und stärkeren Wind ausgelegt. Ein Moment bleibt Harald Wagner unvergesslich: „Einmal haben wir die gesuchte Person tatsächlich bereits während der Anfahrt entdeckt – noch bevor wir die Drohne starten konnten. Das zeigt, wie wichtig Aufmerksamkeit in jedem Moment ist.“
Gegen die Ungewissheit: Hilfe für Betroffene und Angehörige
Dass der persönliche Einsatz in Kombination mit moderner Technik den entscheidenden Unterschied macht, hebt OÖ. Rotkreuz-Präsident Dipl.-Päd. Gottfried Hirz hervor: „Gerade wenn Menschen bei Nebel, Kälte oder Dunkelheit vermisst werden, ist die Ungewissheit für Angehörige enorm und das Risiko für Betroffene hoch. Unsere Drohneneinheit bringt mit innovativer Technik Licht ins Dunkel, unterstützt die Rettungskräfte am Boden entscheidend und beweist, dass Erfahrung und moderne Technologie Hand in Hand gehen.“
Für Harald Wagner ist jeder Einsatz anders. Was ihn antreibt, bleibt jedoch gleich: Menschen in Not zu helfen. Wenn die Drohne dazu beiträgt, eine vermisste Person schneller zu finden, weiß der 63-Jährige, warum er seine Freizeit für andere einsetzt.
