„Das Freiwillige Sozialjahr ist weit mehr als nur ein Orientierungsjahr. Die jungen Menschen wachsen an ihren Aufgaben, übernehmen früh Verantwortung und erleben hautnah, was echte Gemeinschaft bedeutet. Sie investieren Zeit in die Gesellschaft und bekommen Fähigkeiten zurück, die ihnen niemand mehr nehmen kann“, sagt OÖ. Rotkreuz-Präsident Dipl.-Päd. Gottfried Hirz. Allerdings weist Hirz auch auf ein rechtliches Manko hin: Im Vergleich zum Zivildienst gibt es beim FSJ derzeit keinen Kündigungsschutz. „Eine Gleichstellung wäre dringend wünschenswert“, so der Rotkreuz-Präsident.
Mit der Handpuppe „ROKO“ im Einsatz für die Kleinsten
Wie prägend diese Zeit sein kann, zeigt die Geschichte von Lina Huber-Hörmandinger. Die 20-Jährige aus Neuhofen im Innkreis (Bezirk Ried) schloss im Vorjahr ihr FSJ beim Jugendrotkreuz Ried ab – eine Erfahrung, die ihren gesamten Lebensweg beeinflusst hat. Damals besuchte sie mit der Handpuppe „ROKO“ Kindergärten, um den Kleinsten spielerisch Erste Hilfe zu vermitteln, und stand Schulkindern als Lesecoach zur Seite.
„Ich wollte vor dem Studieren einfach noch etwas anderes, Sinnvolles im Gesundheits- und Jugendbereich machen. Das FSJ hat mich in meiner Berufswahl enorm bestärkt“, blickt Huber-Hörmandinger zurück. Heute studiert sie Ergotherapie an der FH Salzburg. „Der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit im Team waren richtig gut, und ich habe unglaublich viel gelernt – besonders im Umgang mit Kindern.“
Nachhaltiger Erfolg: 80 Prozent engagieren sich auch danach beim OÖ. Roten Kreuz
Der Funke sprang bei Lina Huber-Hörmandinger in der eigenen Familie über: Ihre Schwester hatte das FSJ im Jahr 2022 ebenfalls beim OÖ. Roten Kreuz absolviert und sie einfach mal mitgenommen. Das FSJ wirkt bei den allermeisten Teilnehmenden nachhaltig nach: Rund 80 Prozent der Absolventinnen und Absolventen engagieren sich auch nach dem Jahr weiterhin freiwillig in der Organisation.
Obwohl Lina Huber-Hörmandinger durch ihr Studium mittlerweile in Salzburg lebt, lässt sie das Rote Kreuz und „ihr“ Bezirk Ried nicht los. Sie nutzte die Sommerferien für ein besonderes Herzensprojekt und bereitete ihre damalige Jugendrotkreuz-Bewerbsgruppe intensiv auf das Bundesjugendcamp in Salzburg Mitte Juli vor. „Die Kinder haben den 9. und 20. Platz ergattert. Wir sind richtig stolz“, sagt die 20-Jährige.
Mut für den eigenen Weg
Das Gefühl, gebraucht zu werden, das Mitgestalten im Rettungsdienst, den Gesundheits- und Sozialen Diensten oder dem Jugendrotkreuz sowie die persönliche Weiterentwicklung stehen beim Freiwilligen Sozialjahr im Mittelpunkt. „Das Jahr hat mir den Mut und die Bestätigung gegeben, genau den Weg einzuschlagen, den ich jetzt gehe. Man geht mit einem völlig neuen Blick in ein Studium oder den Beruf, weil man die Praxis und das echte Leben schon kennengelernt hat“, sagt Huber-Hörmandinger.
Mit einem Freiwilligen Sozialjahr im Jugendrotkreuz kann im April, September und Oktober gestartet werden. Bewerbungen werden gerne per E-Mail an personal@o.roteskreuz.at angenommen. Weitere Informationen unter: www.roteskreuz.jobs/berufe/zivildienst-und-berufseinstieg
