„Junge Menschen brauchen neben Wissen für Schule und Beruf auch Werkzeuge, um mit schwierigen Situationen umzugehen und füreinander da zu sein. Psychische Erste Hilfe vermittelt genau das: hinsehen, zuhören und wissen, wann und wo man Hilfe holen kann“, sagt OÖ. Rotkreuz-Präsident Dipl.-Päd. Gottfried Hirz. Kathrin Pilz (52) und Anneliese Öllinger-Ebner (56) aus Perg erleben in ihrer freiwilligen Tätigkeit in der Krisenintervention, was psychische Ausnahmesituationen für Betroffene und Angehörige bedeuten können. Aufgrund dieser Erfahrung ist es den beiden wichtig in Form von Workshops zur Psychischen Ersten Hilfe, die Jugendlichen frühzeitig zu sensibilisieren.
Großer Gesprächsbedarf in den Klassen
„In der Krisenintervention sind wir immer wieder mit Suizidfällen konfrontiert. Mit den Workshops können wir viel früher ansetzen, Wissen vermitteln und Jugendliche dafür sensibilisieren, hinzusehen und über Unterstützungsmöglichkeiten informieren“, sagt Pilz. Wissen über psychische Gesundheit sollte aus ihrer Sicht genauso selbstverständlich sein wie klassische Erste Hilfe: „Bei einer körperlichen Verletzung wissen viele, was zu tun ist. Dieses Grundwissen brauchen wir auch für psychische Krisen.“
Hinschauen, zuhören, Hilfe vermitteln
Nach dem Prinzip „Look – Listen – Link“, also „Hinschauen – Zuhören – Weitervermitteln“, lernen Jugendliche, Krisensituationen wahrzunehmen, zuzuhören und Unterstützung zu organisieren. Ebenso wichtig sind die eigenen Stärken und sozialen Netzwerke. „Wir wollen das Tabu brechen. Psychische Probleme sind nichts, wofür man sich schämen muss. Genauso wenig muss man sich dafür schämen, sich Hilfe zu holen“, sagt Öllinger-Ebner. Selbstfürsorge und Mut sich, Hilfe zu holen, sollen gefördert werden.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Jugendliche zu Therapeuten zu machen. Sie lernen vielmehr, Veränderungen wahrzunehmen, Gespräche anzubieten und bei Bedarf Erwachsene einzubeziehen oder professionelle Hilfe zu holen. Die Workshops sind präventiv ausgerichtet und dienen nicht der Aufarbeitung bestehender Krisensituationen in der Klasse.
Auch Nachfrage bei Lehrkräften steigt deutlich
Seit 2024 gibt es auch ein Angebot für Lehrkräfte, die aus drei Workshopthemen (nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten, Suizidalität oder Mobbing) auswählen können. Auch hier steigt die Nachfrage stark. So nahmen im vergangenen Schuljahr 948 Pädagogen an insgesamt 38 Workshops teil. Im Jahr zuvor waren es 222 Teilnehmende in elf Workshops. Im Mittelpunkt stehen unter anderem selbstverletzendes Verhalten und Suizidalität sowie der richtige Umgang mit Krisensituationen.
Und manchmal beginnt Psychische Erste Hilfe ganz einfach mit einem kleinen Zettel und dem Satz: „Ich mag an dir, dass …“
Das OÖ. Jugendrotkreuz bietet Workshops zur Psychischen Ersten Hilfe für die Sekundarstufe I und II sowie für Lehrkräfte an. Für Schulen, die den JRK-Leistungsbeitrag für das aktuelle Schuljahr bezahlt haben, sind die Workshops kostenlos. Anmeldungen sind unter jrk@o.roteskreuz.at oder 0732/7644-198 möglich.
