Es ist eine surreale Gelassenheit, die Michael Hinterleitner bei seinem Aufenthalt in der Ukraine aufgefallen ist: „Bei Luftalarm trifft man sich im Safe Space, dem Schutzraum, und spricht übers Wetter. Das ist ein Schutzmechanismus der Bevölkerung in der neuen Normalität des Krieges“, sagt der 27-Jährige, der als Delegierter für chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren (CBRN) für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) vor Ort war.
„Der Nerd unter den Nerds“: Vom Zivildienst zum Krisenexperten
Hinterleitners Weg zum internationalen Rotkreuz-Einsatz begann ganz bodenständig. Nach der Stellung entschied er sich für den Zivildienst an der Rotkreuz-Ortsstelle Walding (Bezirk Urfahr-Umgebung). Es folgte eine Leidenschaft fürs Retten und Helfen, die ihn über den Rettungsdienst, die freiwillige Feuerwehr und Spezialausbildungen bis in seinen heutigen Beruf im Sicherheits-, Risiko- und Katastrophenschutz führte. „Egal, ob bei der Feuerwehr, dem Roten Kreuz oder im Zivilschutz – es funktioniert nur miteinander“, bringt es Hinterleitner auf den Punkt. „Wenn man mit seinem Wissen einen spürbaren Mehrwert für die Bevölkerung bieten kann, ist das einfach eine tolle Sache.“
In der Ukraine war Hinterleitner Teil der sogenannten Weapon Contamination Unit (WeC-Unit), die sich primär mit der Beseitigung von explosiven Kampfmitteln und Blindgängern befasst. Als CBRN-Spezialist schmunzelt er über seine Rolle: „Ich bezeichne das gerne als den ‚Nerd unter den Nerds‘ der Delegation, weil es ein extrem spezifisches Fachthema ist.“ Seine Kernaufgabe vor Ort war von hoher strategischer Bedeutung: Er führte Risikoanalysen für potenziell gefährliche Industrieanlagen durch, erarbeitete Standardarbeitsanweisungen für den Umgang mit technischen Geräten sowie Schutzausrüstung und schulte die Mitarbeitenden vor Ort – mitunter direkt in Bunkern und Schutzräumen. Zudem stand er im fachlichen Austausch mit den lokalen Behörden, um Handlungsanweisungen für den Ernstfall zu präzisieren.
„Bestimmt nicht meine letzte Auslandsmission“
Für das OÖ. Rote Kreuz sind Einsätze wie jener von Michael Hinterleitner ein Beweis für die hohe Qualität der heimischen Ausbildungen und das enorme Engagement der Mitarbeitenden. „Humanitäre Hilfe ist weltweit gefordert wie selten zuvor. Sie erfordert nicht nur ein großes Herz, sondern in hochkomplexen Krisengebieten vor allem tiefes Fachwissen, einen kühlen Kopf und professionelle Vorbereitung. Menschen wie Michael Hinterleitner zeigen, dass das Wissen aus Oberösterreich international Leben schützt und die Resilienz stärkt. Darauf sind wir stolz“, betont OÖ. Rotkreuz-Präsident Dipl.-Päd. Gottfried Hirz.
Für Michael Hinterleitner steht nach seiner Rückkehr fest: „Fundierte Vorbereitung und pragmatische Resilienz sind die besten Antworten auf Gefahren. Das war meine erste Auslandsmission für das IKRK – aber bestimmt nicht meine letzte.“
Mehr zum freiwilligen Engagement im Katastrophenhilfsdienst unter www.roteskreuz.at/oberoesterreich/freiwillig-beim-katastrophenhilfsdienst-helfen
