Zusammenhalt in der Krise
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Bayern und Salzburg
Großschadenslagen und Katastrophen machen vor Staatsgrenzen nicht halt. Ereignisse wie die Winterlage 2019, das Hochwasser im Ahrtal 2021 und die Hochwasserlagen 2024 in Deutschland, Österreich und Osteuropa haben gezeigt, wie wichtig eine schnelle und gut abgestimmte Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg ist.
Genau hier setzt das gemeinsame Projekt des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) und des Salzburger Roten Kreuzes (SRK) an: Es schafft einen Raum für Austausch, Vernetzung und gegenseitiges Lernen zwischen den rettungsdienstlichen Einsatzleiter:innen beider Organisationen.
Gemeinsam vorbereitet für den Ernstfall
Insbesondere in den ersten Stunden einer großflächigen Schadenslage stehen Einsatzkräfte vor enormen Herausforderungen. Straßen und Brücken können unpassierbar sein, betroffene Regionen müssen versorgt, Menschen gerettet und evakuiert sowie Notunterkünfte eingerichtet werden. Gleichzeitig gilt es, zahlreiche Einsatzkräfte und technische Hilfseinheiten unter hohem Zeitdruck zu koordinieren.
Eine wirksame Einsatzplanung setzt deshalb aktuelle und verlässliche Informationen voraus. Ebenso wichtig ist das Wissen darüber, welche Strukturen, Einheiten, Ressourcen und Fähigkeiten auf der jeweils anderen Seite der Grenze zur Verfügung stehen.
Das Projekt ermöglicht den teilnehmenden Einsatzleiter:innen, die Systeme und Arbeitsweisen der Partnerorganisation kennenzulernen. Dadurch können im Einsatzfall Entscheidungen schneller getroffen, Ressourcen gezielter eingesetzt und die Zusammenarbeit unkomplizierter gestaltet werden.
Zwei Veranstaltungen – ein gemeinsames Ziel
Im Rahmen des Projekts finden zwei eintägige Veranstaltungen statt: eine in Salzburg und eine in Bayern. Jeweils einmal übernimmt das BRK beziehungsweise das SRK die Gastgeberrolle und die organisatorische Federführung. Die Planung und Umsetzung erfolgen in enger Zusammenarbeit beider Organisationen.
Die gastgebende Organisation stellt unter anderem folgende Bereiche vor:
- Organisations- und Führungsstrukturen
- Einsatzpläne und Einsatzvorbereitungen
- Verfügbare Ressourcen und Vorhaltungen
- Spezialisierte Einheiten und deren Leistungsfähigkeit
- Vorgehensweisen bei Katastrophen und Großschadenslagen
Vorträge, Workshops und praxisnahe Präsentationen vermitteln einen umfassenden Einblick in die jeweiligen Systeme. Gleichzeitig bleibt ausreichend Raum für persönliche Gespräche, fachlichen Austausch und den Aufbau belastbarer Kontakte.
An jeder Veranstaltung nehmen rund 30 Einsatzleiter:innen aus Bayern und Salzburg teil.
Vertrauen und kurze Wege schaffen
Ziel des Projekts ist es, nicht erst im Katastrophenfall miteinander in Kontakt zu treten. Die Verantwortlichen sollen sich bereits im Vorfeld kennen, die Möglichkeiten der Partnerorganisation einschätzen können und ein gemeinsames Verständnis für die grenzüberschreitende Einsatzbewältigung entwickeln.
Ganz nach dem Motto: „In der Krise Köpfe kennen.“
Mit dem persönlichen und fachlichen Austausch leisten BRK und SRK einen wichtigen Beitrag zu einer schnelleren, verlässlicheren und besser koordinierten Zusammenarbeit bei künftigen Großschadenslagen und Katastrophen.

Leitung Rettungsdienst a.i.
Stefan Soucek