Am 20. Juni fand im Landesverband Vorarlberg des Roten Kreuzes die Fortbildungsveranstaltung „Amok – zerbrochenes Leben“ statt. Insgesamt nahmen rund 80 Akuthelfer:innen teil, darunter 50 Vertreter:innen des Kriseninterventionsteams Vorarlberg sowie 30 Mitarbeiter:innen des Roten Kreuzes Vorarlberg.
Ausgangspunkt der Veranstaltung war die Auseinandersetzung mit dem ersten Amoklauf an einer Schule in Österreich, der sich vor einem Jahr (10. Juni 2025) ereignet hatte. Dieses tragische Ereignis hat tiefe Spuren bei Betroffenen, Angehörigen und Einsatzkräften hinterlassen. Für die Krisenintervention und Notfallseelsorge stellte der Einsatz die größte Herausforderung seit Bestehen dieser Organisationen in Österreich dar.
Als Referentin konnte Elisabeth Lienhart gewonnen werden. Die Leiterin der Notfallseelsorge Steiermark, Mitarbeiterin des Kriseninterventionsteams des Landes Steiermark sowie Bundeskoordinatorin der Polizeiseelsorge war als Einsatzleiterin der Notfallseelsorge unmittelbar vor Ort in der Grazer Dreierschützengasse tätig und koordinierte den Einsatz von Beginn an.
Eindrucksvolle Einblicke
Im Rahmen des Fortbildungstages gab Elisabeth Lienhart einen umfassenden Einblick in die Bewältigungsphasen dieses außergewöhnlichen Ereignisses aus Sicht der Krisenintervention und Notfallseelsorge. Dabei wurden sowohl die unmittelbaren Herausforderungen während des Einsatzes als auch die langfristige Aufarbeitung eines derart belastenden Großereignisses beleuchtet.
Die Teilnehmer:innen erhielten wertvolle Einblicke in die komplexen Abläufe eines solchen Einsatzes. Besonders eindrucksvoll waren die persönlichen und emotional berührenden Schilderungen der Referentin, die die menschliche Dimension hinter den organisatorischen Herausforderungen greifbar machten.
Praxisnah und bewegend
Das zentrale Fazit des Tages lautete: Ein Großeinsatz dieser Dimension bringt zwangsläufig zahlreiche Unvorhersehbarkeiten mit sich. Er lässt sich niemals bis ins letzte Detail planen und kann nur dann erfolgreich bewältigt werden, wenn alle beteiligten Einsatzkräfte und Organisationen eng zusammenarbeiten, flexibel handeln und sich gegenseitig unterstützen. Gerade dieses Zusammenspiel unterschiedlicher Professionen und Organisationen ist ein wesentlicher Schlüssel für eine wirksame Hilfe in außergewöhnlichen Krisensituationen.
Das Rote Kreuz Vorarlberg und das Kriseninterventionsteam Vorarlberg bedanken sich bei Elisabeth Lienhart für ihre Offenheit, ihre fachliche Expertise und die eindrucksvollen Einblicke in einen Einsatz, der die psychosoziale Akuthilfe in Österreich nachhaltig geprägt hat: „Die Fortbildung wurde von den Teilnehmer:innen als äußerst informativ, praxisnah und bewegend wahrgenommen. Sie bot nicht nur fachliche Erkenntnisse, sondern auch wichtige Impulse für die eigene Tätigkeit in der psychosozialen Akuthilfe“, so Thomas Stubler, Koordinator des Kriseninterventionsteam Vorarlberg, und Janine Gozzi, in ihren Funktionen als Direktorin des Roten Kreuzes Vorarlberg und Obfrau der Krisenintervention & Notfallseelsorge Vorarlberg.