Ein komplexes und forderndes Einsatzszenario stand im Mittelpunkt einer groß angelegten Unfallübung des Roten Kreuzes Vorarlberg am vergangenen Samstag. Über einen Zeitraum von drei Stunden trainierten rund 170 Einsatzkräfte gemeinsam mit etwa 80 Statistinnen und Statisten das koordinierte Vorgehen bei einem schweren Verkehrsunfall mit zahlreichen Verletzten mit Schauplatz Gütlestraße in Dornbirn.
An der Übung beteiligt waren neben dem Roten Kreuz auch Feuerwehr inklusive Drohnengruppe, Bergrettung, Wasserrettung, das Kriseninterventionsteam (KIT) sowie Mitarbeiter:innen des LKH Bregenz. Ziel war es, die Zusammenarbeit der Organisationen unter realitätsnahen Bedingungen zu stärken und Abläufe im Ernstfall zu optimieren.
Dramatisches Unfallszenario
Ausgangspunkt der Übung war eine Alarmierung um 10.09 Uhr. Aufgrund der rasch erkannten Lage wurde bereits kurze Zeit später eine Nachalarmierung zusätzlicher Kräfte ausgelöst. Das Szenario: Ein mit 40 Schüler:innen besetzter Schulbus kollidiert frontal auf der Gütlestraße auf Höhe des Waldbads Enz mit einem entgegenkommenden Pkw, der mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs ist.
Durch die enorme Wucht des Aufpralls überschlägt sich der Pkw mehrfach und kommt schließlich am Waldrand auf dem Dach zum Liegen. Der Fahrer wird eingeklemmt, ein weiterer Insasse auf der Rückbank eingeschlossen. Zwei weitere Fahrzeuginsassen werden aus dem Fahrzeug geschleudert und bleiben schwer verletzt im steilen Gelände sowie teilweise im Wasser liegen.
Auch im Schulbus herrscht Chaos: In Panik flüchten mehrere Schüler:innen in den umliegenden Wald. Einige von ihnen verletzen sich dabei und bleiben hilflos zurück. Andere rutschen ab und geraten ins Wasser, wo sie ohne Hilfe nicht mehr ans Ufer gelangen können. Besonders dramatisch gestaltet sich die Lage eines Schülers, der von einem Wasserstrudel erfasst wird, ertrinkt und reglos im Wasser treibt.
Sekundärunfall verschärft Lage
Zusätzliche Brisanz erhält das Szenario durch einen weiteren Unfall: Ein nachfolgender Pkw-Lenker übersieht die Unfallstelle sowie Ersthelfer:innen und verreißt das Fahrzeug. Der Wagen überschlägt sich und erfasst mehrere Mitglieder einer Wandergruppe, die Erste Hilfe leisten wollten. Im Fahrzeug selbst werden drei Personen eingeschlossen, jedoch nicht eingeklemmt.
Koordinierte Rettung unter schwierigen Bedingungen
Die Einsatzkräfte standen vor einer Vielzahl an Herausforderungen: Menschenrettung aus Fahrzeugen, Suche nach vermissten Schüler:innen im Wald, Bergung von Verletzten aus unwegsamem Gelände sowie Rettungsmaßnahmen im Wasser. Parallel dazu mussten Angehörige, die eigenständig zum Unfallort geeilt waren, betreut und koordiniert werden.
Die Verletzten wurden nach der Erstversorgung strukturiert abtransportiert und in das Landeskrankenhaus Bregenz gebracht. Gleichzeitig kümmerte sich das Kriseninterventionsteam um die psychologische Betreuung der Betroffenen.









